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Alte Nikolaischule Leipzig

Realisierungswettbewerb 1990

1. Preis

Bauherr    

Kulturstiftung Leipzig

Planung    

1990 - 1991

Bauzeit        

1992 - 1994

Leistungen

1- 8 LPH HOAI

BGF

1.300 m²

Bausumme

7,2 Mio EUR

Auszeichnungen

Sächsischer Architekturpreis 1995 
Architekturpreis 1995 der Zementindustrie, Deutscher Architekturpreis 1995 eng. Wahl

Beschreibung       

Umbau und Sanierung eines Baudenkmals, Restaurierung der Fassade

2._Aussenansicht.jpg

Als wir im Jahr 1990 die Alte Nikolaischule, kurz nach der Wende, zum ersten Mal betraten, stand sie unbenutzt. Sie war wegen Baufälligkeit gesperrt. Rückfront und Treppenhaus fehlten.
Vom Glanz der ältesten Bürgerschule Deutschlands, gegründet 1512, war nichts geblieben.
Doch seine Würde hatte sie nicht eingebüsst.
Die Kulturstiftung Leipzig hatte sich dieses geschichtsträchtigen, bedeutenden Bauwerks am Nikolaikirchhof, im Zentrum des alten Leipzig, angenommen.
Das Gebäude sollte zu einem kulturellen Anziehungspunkt werden.
Ein Kulturcafe im Erdgeschoss als Treffpunkt geistig und kulturell interessierter Bürger. Eine Gerätesammlung der Universität, schliesslich im Keller situiert. 
Die Antikensammlung fand im 1. Obergeschoss ihr Domizil. 
Darüber ein Geschoss mit Vortrags- und Studienräumen, in dem die in Grundzügen erhaltene Aula die Hauptrolle übernehmen sollte. 
Das Dach war für die Sächsische Akademie der Wissenschaften gedacht. 
Der grosse Raum im EG des mittleren Hauses entpuppte sich als das Auditorium der Schule. 
Über der Eingangshalle findet man eine bemalte Holzdecke aus der Renaissance. In den Obergeschossen farbig gefasste Putzfelder. Doch es sind Ausschnitte nur aus den Perioden der Geschichte,

3._Grundrisse.jpg

ergeben kein zusammenhängendes Bild. Zuviel war an dem Bauwerk im Laufe der Zeiten verändert worden.
Wir sehen also keinen Grund, uns von unserem Konzept abbringen zu lassen.
Das bestand darin, Alt und Neu miteinander zu verschränken.
Wir nahmen uns vor, zwischen beiden Kontraste aufzubauen und Spannung zu erzeugen. Spannung, um sie miteinander zu verschmelzen und ein Eigenes entstehen zu lassen. Das Alte sollte nicht restauriert werden, wo es sowieso zerstört war, sondern neues Leben sollte es erfülen.
Inzwischen wirken auch politische Veränderungen auf das Bauvorhaben ein.
Die sich langsam formierende Stadtplanung hatte einen Innenhof auf dem Areal des Nachbarn gefordert.
Wir nahmen ihn als willkommende Lichtquelle für das Treppenhaus.
Aber die Rückgabe alten Eigentums wird verfügt. Den Nachbarn gibt es nicht mehr. Neu zu verhandeln ist nicht möglich. Der neue Nachbar –der alte Eigentümer- ist nämlich noch nicht existent.
Kein Lichthof mehr sondern eine Bandwand. Damit ein ungekannter Nachbar anbauen kann, wie das Gesetz es verlangt.
Widerstände fordern heraus.
Ein Lichthof entsteht doch, zugleich aber als Treppenhaus.
Tageslicht von oben.

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5.Wand.jpg

Ein steiler moderner Raum wird gegen die gelagerten, historischen gesetzt. Zierliche Treppen aus Stahl stehen gegen die behäbige Schwere des Steins. Beton gegen Mauerwerk und Putz. 
Ein grossformatiges Fachwerk aus Beton erinnert an die weggebrochene Rückwand und dient dem alten Dachstuhl als Stütze.
Grenze zwischen Alt und Neu, doch Bindeglied vermittels ihrer Öffnungen.
Der Gedanke, den Gegensatz von masiver, geschlossener Wand und offenem Betonraster mit anderen Mitteln in die Dachzone fortzusetzen, führen dazu, beide Seiten des Glasdaches unterschiedlich auszubilden: 
Stählerne Kragarme mit enger Sprossenstellung und mattem Drahtglas als Fortsetzung der Wand zum Nachbarn. 
Zum Altbau jedoch grossformatige Klarglasscheiben, punktförmig gehalten, den Blick auf das historische Dach freigebend.
Für das gesamte Gebäude wurde ein einheitlicher Deckenfluter entwickelt, dessen gelochter Edlstahlschirm zusätzlich zur Hauptstrahlrichtung ein weiches, direktes Streulicht nach unten ermöglicht.

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